Generative KI kann Texte schreiben, Bilder erzeugen und Code ausspucken. Klingt gut, aber was, wenn du willst, dass die KI nicht nur antwortet, sondern eigenständig handelt? Genau da kommt Agentic-AI ins Spiel: KI-Systeme, die autonom wahrnehmen, schlussfolgern und Aktionen ausführen, um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen. Mit minimaler menschlicher Aufsicht.

Und nein, eine einheitliche Definition gibt es tatsächlich nicht. Selbst MIT Sloan stellt 2025 fest: „There isn't a universally agreed upon definition of agentic AI." Das Konzept ist also noch in Bewegung.

Generative KI vs. Agentic-AI

Der Unterschied ist simpel: Generative KI erstellt Inhalte auf Basis deiner Eingabe. Agentic-AI nimmt diese Fähigkeit und geht einen entscheidenden Schritt weiter, indem es Aktionen in echten Systemen ausführt. Google Cloud beschreibt Agentic-AI als eine Teilmenge der generativen KI, bei der LLMs als „Gehirn" dienen, das Agenten orchestriert und steuert.

Stell dir vor, du fragst ChatGPT: „Schreib mir eine E-Mail." Generative KI liefert den Text. Agentic-AI würde die E-Mail schreiben, den passenden Empfänger aus deinem CRM ziehen, die Mail verschicken und den Status im Projektmanagement-Tool aktualisieren. Also nicht nur antworten, sondern wirklich handeln.

Die Kerneigenschaften

Was macht ein KI-System „agentic"? Fünf Eigenschaften tauchen in der Literatur immer wieder auf:

  1. Autonomie: Aufgaben ohne ständiges menschliches Eingreifen erledigen
  2. Proaktivität: Bedürfnisse antizipieren statt nur auf Prompts zu reagieren
  3. Anpassungsfähigkeit, also aus Erfahrungen lernen und Verhalten anpassen
  4. Spezialisierung: Mehrere hyperspezialisierte Agenten arbeiten zusammen
  5. Agenten kommunizieren untereinander und mit Menschen (Kollaboration)

Der typische Arbeitszyklus läuft so: Wahrnehmung, Schlussfolgern, Planung, Aktion, Reflexion. Und dann wieder von vorn. Dieser iterative Loop ist das, was Agentic-AI von einem simplen Chatbot unterscheidet.

Wo wird das schon eingesetzt?

Laut einer Umfrage von MIT Sloan und Boston Consulting Group hatten 2023 bereits 35 % der Befragten KI-Agenten im Einsatz, weitere 44 % planten den baldigen Start. Kundenservice, Lieferkettenoptimierung, Betrugserkennung im Finanzwesen, Unterstützung bei medizinischen Diagnosen, die Anwendungsbereiche sind ziemlich breit.

Wir bei Exord setzen intensiv auf Agentic-AI und Multi-Agent-Systeme, in denen mehrere spezialisierte Agenten zusammenarbeiten. Die Möglichkeiten sind real, aber sie erfordern eine saubere Architektur.

Aber: Nicht alles ist rosig

Das kollektive Verständnis der gesellschaftlichen Auswirkungen von Agentic-AI ist laut MIT-Sloan-Professor Sinan Aral „nascent, if not nonexistent". Ehrlich gesagt, Datenqualität, Governance und Sicherheit bleiben zentrale Challenges. Und die Gefahr ist real, dass Organisationen diese Technologie ohne formale Strategie einführen, einfach weil der Hype so groß ist.

Die Financial Times vergleicht den aktuellen Stand mit autonomen Fahrzeugen: Die meisten Anwendungen befinden sich bei Level 2 oder 3. Volle Autonomie (Level 5)? Bleibt theoretisch.

Und jetzt?

Agentic-AI ist kein Buzzword, das nächste Woche wieder verschwindet. Nvidia-CEO Jensen Huang sprach auf der CES 2025 von einer „Multi-Billionen-Dollar-Chance". Ob sich das bewahrheitet, wird sich zeigen. Was aber feststeht: Die Technologie verändert grundlegend, wie wir über KI-Anwendungen nachdenken.

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Sources

  1. Agentic AI, explained | MIT Sloan